Mini-Playbook „Cokreative Vorweihnachtszeit für Teams

Zehn cokreative Ideen für die Vorweihnachtszeit im Team

Die Wochen vor Weihnachten haben im Unternehmen ihren ganz eigenen Zauber: Jahresabschluss, Planungsrunden, Resturlaub, Plätzchenteller – und zwischendrin noch schnell alles erledigen, was seit Februar geduldig auf seine Priorisierung wartet.

Dabei eignet sich diese Zeit wunderbar, um gemeinsam zurückzuschauen, Wissen zu teilen und Ideen für das neue Jahr entstehen zu lassen. Vorausgesetzt, wir ersparen den Menschen die nächste Pflichtbesinnlichkeit mit vorbereiteter PowerPoint und dem Programmpunkt „Jetzt sagt jede Person noch etwas Nettes“.

Cokreativität funktioniert anders. Menschen bringen unterschiedliche Erfahrungen, Fragen und unfertige Gedanken ein. Andere greifen sie auf, verändern sie und entwickeln sie weiter. So entsteht etwas, auf das eine Person allein vielleicht gar nicht gekommen wäre.

Dafür braucht es keinen zweitägigen Innovationsworkshop. Manchmal reichen zehn Minuten, eine kluge Frage und die Erlaubnis, dass eine Idee hinterher anders aussehen darf als vorher.

Wir haben zehn Formate zusammengestellt, mit denen Teams zum Jahresende gemeinsam denken, lachen und Ideen ins neue Jahr tragen können.

1. Das Wissenswichteln

Wichteln, aber ohne Duftkerze und Tasse mit Rentiernase: Beim Wissenswichteln verschenken die Teammitglieder etwas, das ihnen im Laufe des Jahres geholfen hat.

Das kann ein Arbeitstrick sein, eine hilfreiche Frage, ein kleines Tool, eine Abkürzung oder auch ein Fehler, aus dem jemand etwas gelernt hat. Die Wissensgeschenke werden zufällig verteilt und von ihren neuen Besitzerinnen und Besitzern weitergedacht:

Wie könnte ich das in meinem eigenen Alltag nutzen oder weiterentwickeln?

So wird individuelles Erfahrungswissen für andere zugänglich – und vielleicht zeigt sich ganz nebenbei, welche Fähigkeiten im Team bisher erstaunlich gut versteckt waren.

Dauer: 10 bis 20 Minuten

2. Der Weihnachtsmarkt der unfertigen Ideen

Auf diesem Weihnachtsmarkt werden keine gebrannten Mandeln verkauft. Hier kommen Gedanken auf den Tisch, die noch nicht fertig sind.

An verschiedenen Marktständen finden sich zum Beispiel:

  • ein Ideenpunsch für erste Einfälle, denen noch Zutaten fehlen,

  • eine Problembude für Herausforderungen, die jemand allein nicht lösen kann,

  • ein Wunschzettel für Vorhaben im neuen Jahr,

  • ein Schrottwichtelstand für Vorgehensweisen, die endlich wegkönnen,

  • ein Experimentierstand für kleine Versuche im Januar.

Die Teammitglieder bummeln von Stand zu Stand, stellen Fragen, ergänzen Perspektiven und entwickeln die Gedanken anderer weiter.

Das Format eignet sich besonders, wenn verschiedene Bereiche zusammenkommen oder im Team viele gute Ideen existieren, die bisher im Status „Müsste man eigentlich mal“ überwintern.

Dauer: 20 bis 45 Minuten

3. Schrottwichteln für Arbeitsroutinen

Manche Routinen haben uns einmal geholfen. Andere stehen nur noch herum und niemand weiß genau, warum.

Beim Schrottwichteln bringt jede Person eine Arbeitsgewohnheit mit, die sie gerne loswerden würde:

  • unnötige Abstimmungsschleifen,

  • Meetings ohne erkennbaren Lebenszweck,

  • Aufgaben, die vorsichtshalber von mehreren Menschen erledigt werden,

  • Excel-Dateien mit sieben verschiedenen Wahrheiten,

  • das beliebte „Kannst du mal schnell …?“.

Die Routinen werden zufällig verteilt. Anschließend entwickelt die neue Besitzerin oder der neue Besitzer daraus eine radikal vereinfachte Variante, eine Abschaffidee oder ein Tiny Experiment für Januar.

So wird aus dem kollektiven Augenrollen ein konstruktiver Veränderungsimpuls.

Dauer: etwa 15 Minuten

4. Secret Santa für Probleme

Nicht jede Herausforderung braucht sofort einen Workshop, einen Projektauftrag und drei neue Gremien. Manchmal braucht es einfach einen fremden Gedanken.

Beim Secret Santa geben alle anonym eine kleine Herausforderung aus ihrem Arbeitsalltag ab. Anschließend zieht jede Person ein Problem und schenkt dazu:

  • eine überraschende Frage,

  • eine andere Perspektive,

  • einen hilfreichen Kontakt,

  • einen praktischen Hinweis,

  • ein kleines Experiment.

Es geht ausdrücklich nicht darum, fremde Probleme ungefragt vollständig zu lösen. Niemand braucht kurz vor Weihnachten noch einen Masterplan unter dem Baum.

Die Person, die das Problem eingebracht hat, entscheidet selbst, welches Geschenk hilfreich ist und was sie davon mitnimmt.

Dauer: 15 bis 25 Minuten

5. Die hässlichste Idee des Jahres

Der Ugly Christmas Sweater unter den Kreativformaten: Das Team entwickelt absichtlich die schlechteste denkbare Lösung für eine aktuelle Herausforderung.

Zum Beispiel:

Wie könnten wir den Wissensaustausch im nächsten Jahr zuverlässig verhindern?

Mögliche Ideen:

  • Wissen ausschließlich in persönlichen Postfächern lagern,

  • jedes Thema mit einer 73-seitigen Präsentation erklären,

  • nur Menschen einladen, die ohnehin derselben Meinung sind,

  • für jede Idee zunächst einen Arbeitskreis gründen.

Je schlimmer, desto besser.

Anschließend werden die Ideen umgedreht:

Was müssten wir konkret tun, damit genau das nicht passiert?

Das sorgt für Humor und legt gleichzeitig Muster offen, über die sonst gerne mit professioneller Ernsthaftigkeit hinweggesehen wird. Manchmal gewinnt nämlich ausgerechnet die hässlichste Idee deshalb, weil sie dem Arbeitsalltag verdächtig ähnlich sieht.

Dauer: 10 bis 15 Minuten

6. Der Ideen-Lebkuchen

Eine Idee wird wie ein Lebkuchen gemeinsam verziert. Jede Person übernimmt dabei eine andere Zutat:

  • Wer profitiert von der Idee?

  • Wie sieht sie aus Sicht der Mitarbeitenden aus?

  • Was wäre eine mutigere oder ungewöhnlichere Variante?

  • Wie funktioniert sie mit dem halben Aufwand?

  • Was könnten wir zuerst ausprobieren?

  • Welcher überflüssige Zuckerguss darf wieder herunter?

Durch die unterschiedlichen Denkrollen betrachten die Beteiligten eine Idee nicht nur aus ihrer bevorzugten Perspektive. Die Praktischen dürfen kurz spinnen, die Visionären müssen vereinfachen und die Detailverliebten dürfen beherzt etwas vom Lebkuchen herunterkratzen.

Am Ende steht eine Idee, die deutlich weniger nach Rohteig aussieht.

Dauer: etwa 10 Minuten

7. Der Adventskalender der guten Fragen

Dieser Adventskalender enthält keine Schokolade, dafür Kalorien fürs Denken.

An zwölf Arbeitstagen öffnet das Team jeweils eine Frage. Die Antworten entstehen asynchron über den Tag – beispielsweise in einem Teams-Kanal, im Chat oder auf einem digitalen Board.

Mögliche Fragen sind:

  • Was können andere von uns lernen?

  • Was sollten wir aus diesem Jahr nicht wiederholen?

  • Welche Fähigkeit im Team nutzen wir bisher zu wenig?

  • Welche Regel würden wir gerne einmal für eine Woche aussetzen?

  • Was funktioniert besser, als wir es uns zugestehen?

  • Wo machen wir etwas komplizierter als nötig?

  • Welche mutige Idee verdient einen kleinen Test?

  • Was soll im Januar unser erstes gemeinsames Experiment werden?

Der besondere Dreh: Die Antworten des Vortags werden jeweils von einer anderen Person zusammengeführt oder weiterentwickelt.

So entsteht über mehrere Tage ein gemeinsamer Lernprozess – ohne zusätzliche Dauerbesprechung im ohnehin gut gefüllten Dezemberkalender.

Dauer: täglich 3 bis 5 Minuten

8. Die Team-Bescherung

Was können wir uns als Team eigentlich gegenseitig geben?

Bei der Team-Bescherung füllen alle zunächst drei Geschenkpakete:

  • Davon könnt ihr im nächsten Jahr mehr von mir haben.

  • Dabei wünsche ich mir Unterstützung.

  • Das würde ich gerne mit euch ausprobieren.

Anschließend reagieren die Kolleginnen und Kollegen auf die Beiträge anderer:

Dazu könnte ich beitragen, indem …

Dadurch werden aus persönlichen Wünschen konkrete Unterstützungsangebote. Das stärkt Eigenverantwortung, macht Bedürfnisse sichtbar und bringt mehr Verbindlichkeit in das berühmte „Wir müssten im nächsten Jahr mal“.

Wichtig: Die Zusagen werden festgehalten und im neuen Jahr noch einmal angeschaut. Sonst verschwinden sie gemeinsam mit dem Geschenkpapier.

Dauer: 15 bis 20 Minuten

9. Der Zukunftspunsch

Beim Zukunftspunsch mixt das Team eine gemeinsame Idee für das neue Jahr. Jede Zutat kommt von einer anderen Person:

  • Basis: Was möchten wir stärken?

  • Würze: Was wäre daran ungewohnt oder mutig?

  • Frucht: Für wen soll die Idee einen spürbaren Unterschied machen?

  • Schuss: Was macht sie ein kleines bisschen riskant?

  • Serviervorschlag: Welchen ersten Test starten wir im Januar?

Das Format verbindet Zukunftsdenken mit einem spielerischen Umgang mit Unsicherheit. Besonders interessant ist meistens der „Schuss“: Er zeigt, an welcher Stelle die Idee tatsächlich Mut braucht – und wie ein kleiner Versuch helfen kann, das Risiko überschaubar zu machen.

Dauer: 10 bis 15 Minuten

10. Last Christmas – das geben wir nicht noch einmal weiter

Eine Jahresabschluss-Retrospektive mit Ohrwurm-Garantie.

Vier Weihnachtsklassiker bilden die Reflexionsfelder:

  • Last Christmas: Das möchten wir nicht noch einmal erleben.

  • All I Want for Christmas: Davon wünschen wir uns mehr.

  • Driving Home: Das bringt uns auch unter Druck wieder auf Kurs.

  • Happy New Year: Das probieren wir im Januar aus.

Zunächst sammeln alle individuell. Anschließend übernimmt jede Person einen Beitrag eines anderen und entwickelt daraus einen konkreten Vorschlag.

Damit bleibt die Rückschau nicht bei „Das war anstrengend“ und „Wir sollten besser kommunizieren“ stehen. Aus Beobachtungen entstehen nächste Schritte – idealerweise direkt mit einem Termin im Januar.

Dauer: etwa 20 Minuten

Cokreativität braucht keinen Lametta-Workshop

Alle zehn Formate funktionieren vor Ort mit Karten und Stiften oder online mit Chat und digitalem Board. Entscheidend sind drei einfache Spielregeln:

  1. Unfertiges ist willkommen. Rohteig darf auf den Tisch.

  2. Gedanken werden weitergebaut, bevor sie bewertet werden.

  3. Am Ende steht ein kleiner nächster Schritt.

Denn die Qualität eines Jahresabschlusses zeigt sich nicht daran, wie feierlich die Moderationskarten aussehen. Spannender ist, ob im Januar noch etwas davon lebt.

Alle zehn Formate findet ihr mit genauer Anleitung, Zeitbedarf und zusätzlichen Tipps in unserem kostenlosen Playbook:

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